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[Vous devez être inscrit et connecté pour voir ce lien] Reine Routine: Bon Jovi im Daimlerstadion.
Foto: dpa
Stuttgart - Fast auf den Tag genau vor zwei
Jahren, am 27. Mai 2006, gastierte die amerikanische Band Bon Jovi
zuletzt in Stuttgart. Zum Konzert auf dem Cannstatter Wasen kamen
65.000 Zuschauer. Am Donnerstagabend waren es, einige hundert Meter
entfernt im Daimlerstadion, nicht einmal 40.000 Zuschauer. Nun gibt es
zwar nicht allzu viele Musiker, die sich über lediglich 40000 Besucher
grämen würden, dennoch darf man die Frage aufwerfen, warum das so ist.
<hr noshade="noshade" size="1"> Von Jan Ulrich Welke
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Liegt es daran, dass das "aktuelle" Album "Lost Highway" auch schon wieder
fast ein Jahr alt ist? Liegt es daran, dass Bon Jovi diesmal die
bewährten Pfade ein klein wenig verlassen hat und sich an so etwas wie
einem Country-Album versucht hat? Liegt es daran, dass die dazugehörige
Live-Performance als "Lost Highway – The Concert" bereits im November
auf DVD und nun vor zwei Wochen auch noch als Live-CD erschienen ist,
man sich das Konzert also quasi schon zu Hause angucken konnte, bevor
man es live gesehen hat?
Muss man gar einen offensichtlichen Bedeutungsverlust konstatieren (wie
man es wohl bei jeder anderen Band tun würde, zu deren Auftritt im
Vergleich zum Konzert davor nur noch etwas mehr als die Hälfte der
Zuschauer kommen)? Oder liegt es einfach daran, dass diesem Konzert,
dem wie gesagt zweiten innerhalb von zwei Jahren, eine wesentliche
Ingredienz für neugierige Zuschauervorfreude fehlt: die Exklusivität?
Keine Spielräume für Spontaneität Einiges deutet bei diesem Auftritt darauf hin. Es ist das fünfte von sechs
Stadionkonzerten in Deutschland, allein 17 Konzerte in Europa folgen in
den kommenden Wochen. 39 Auftritte in diesem Jahr und zwanzig im Winter
vergangenen Jahres liegen bereits hinter ihnen. Das dokumentiert
einerseits die Popularität der Band, bedingt andererseits allerdings
eine Logistikmaschine, die so gut wie keine Spielräume für Spontaneität
lässt.
So ist die Abfolge der Stücke jeden Abend mehr oder
weniger identisch. Zum Auftakt ertönt das Titelstück "Lost Highway" vom
aktuellen Album, dazu spielt die Band pflichtschuldigst ein paar
weitere Songs (in Stuttgart waren es vier) davon. Sie bilden den Rahmen
für die eigentliche Hauptzutat dieses Konzertabends: Das
wohlproportioniert geschickt über den ganzen Abend verteilte
Best-of-Repertoire aus Welthits dieser Band, die diesbezüglich aus dem
Vollen schöpfen kann. "Born to be my Baby" und "Bad Name" kommen gleich
als zweites und drittes Stück, kurz darauf der erste große
Bon-Jovi-Hit, das auch schon wieder 24 Jahre alte "Runaway". In der
Mitte des Konzerts, wiederum als Doppelpack, sind es "It’s my Life" und
"Keep the Faith". Und vor den Zugaben schließlich "Bad Medicine" sowie
"Livin’ on a Prayer".
Ein Stück ErinnerungskulturDie Songs verfehlen ihre Wirkung natürlich nicht, trotz drückender Schwüle
recken sich die Arme dem Himmel entgegen, vom Wiedererkennungswert
zehren Band wie Publikum. Trefflich fügen sich in diesen Kontext der
Erinnerungskultur, in dem man dieses Konzert betrachten kann, die
Zitate, derer sich die Band bedient. In "Sleep" gleitet die Band zu
"Start me up" von den Rolling Stones ab, "Bad Medicine" mündet in den
Gassenhauer "You make me wanna shout", dazwischen serviert Bon Jovi das
milliardenfach totgedudelte "Rockin’ all over the World" von Status Quo
sogar in voller Schönheit.
Auf den Videowänden wird zu "Runaway"
mit Schwarzweißeinblendungen der Nostalgiefaktor bemüht, in zwei
Stallboxen links und rechts der Bühne werden für ein paar Songs einige
Zuschauer eingepfercht, die ihren Stars einmal besonders nah sein
dürfen, sich scheußlich anbiedernd erscheint der angehimmelte Sänger
Jon Bon Jovi zur Zugabe schließlich in einem Trikot der deutschen
Fußball-Nationalmannschaft.
Alles wirkt standardisiertAlles ist so weit in Ordnung, aber alles entbehrt jeglicher überraschender
Momente. Alles wirkt so routiniert, dass man es fast schon als kühl
bezeichnen möchte. Alles wirkt weitestgehend standardisiert, frei von
jeglicher Individualität, Emphase und Improvisation. Als wäre die Band
im ewiggleichen Ritus und Gestus dieser Produktion gefangen, die am
Samstag in Lissabon, am Sonntag in Barcelona und in der kommenden Woche
in Frankfurt, Wien und Dublin wohl (vom Deutschlandtrikot abgesehen)
genauso oder zumindest so ähnlich über die Bühne gehen wird.
Am 15. Juli wird diese Welttournee im New Yorker Madison Square Garden ihr
Ende finden. Fast einhundert Konzerte liegen dann hinter der Band. Sie
wird sich zunächst ein wenig ausruhen, anschließend ein neues Album
aufnehmen, das weltweit vermutlich wieder in den Toprängen der Charts
landen wird. Dann wird es wieder eine Tournee geben, womöglich wird die
Band auch wieder in Stuttgart Station machen. Vielleicht kommen ein
paar tausend Zuschauer mehr oder weniger, ganz gewiss wird die Band
aber wieder ein Potpourri ihrer beliebtesten Melodien servieren. Ganz
schön aufregend.
30.05.2008 - aktualisiert: 30.05.2008 16:53 Uhr